Anna Becker

„Ich mach mich auf den Weg, wollt ihr mich begleiten...“

... der Einleitungssatz auf Annas Einladung zur Konfirmation, ein „Begleiten“ mit dem so keiner rechnete.

                                                                                                                                      

Wer war Anna?

17 Jahre mit einer wunderbaren, großen Seele

Freudig erwartet erblickte Anna am 23.12.1985 das Licht der Welt. Unkompliziert, Anna Beckerfröhlich und energisch wuchs sie heran.

4 Generationen gehörten zu Ihrem Umfeld, so saß sie als 4-jährige selbstverständlich  stundenlang am Bett von Ur-Opa Franz, unterhielt ihn mit ihren Alltagsgeschichten und begleitet ihn so auf ihre liebevoll und kindliche Art bis in den Tod.

Energisch, konsequent, liebevoll und lebensfroh verfolgte sie ihre Ziele. Den 3 Jahre später ebenfalls freudig erwarteten Bruder Johannes liebte sie  über alles, so manches Kommando bekam er als kleiner Kerl von der energischen Schwester. Mit Papa Hermann verband sie ein besonders Band bis hin zu einer eigenen Sprache die nur sie verstanden. Nach dem Ende der Kindergartenzeit und  Abschluss der Grundschule wechselte sie zur Realschule,  Anna genoss  es ihr Wissen zu erweitern  - mit ihren Freundinnen unterwegs zu sein und die gemeinsamen Stunden mit der Familie hier lud sie „ihr Akku“ auf.

Oft hatte ich das Gefühl  das sie mir mehr übers Leben beibrachte, als ich ihr vermitteln konnte.

Die Diagnose Krebs im Februar 2000  riss  sie für 9 Monate aus ihrer Schulzeit heraus und änderte unser aller Leben für immer. Am Ende des ersten Chemoblocks sagte sie „Wenn ich diesen Mist hier hinter mir habe, machen wir ein Fest für die mir geholfen haben  und legte in dem Moment den Grundstein für ihren Verein.

Ein großer Teil ihrer Kraft lag in ihrem starken Glauben, so war ihre Konfirmation ein wichtiger Tag am Anfang Ihrer Behandlungszeit. Strahlend und ohne Haare feierte sie ihren Tag in der Kirche und an schließend mit all ihren Gästen wie sie es geplant hatte.

Nach Abschluss aller Chemoblöcke und Bestrahlung  setzte sie ihre Schulzeit in ihrer alten Klasse weiter fort -  Ihr Ziel  - Medizin studieren. Für einige Monate atmeten wir auf. Ein Rezidiv in der Brust riss sie im Anfang 2002 wieder aus ihrem Alltag. Als Klassensprecherin leitet sie von zu Hause aus auch weiterhin die Klassengeschäfte . Ein weiteres Ziel – „ihre Abschlussfahrt“  und sie schaffte es trotz aller Behandlungen, niemanden hätte sie aufhalten können.Der behandelnde Prof. in Trier ermöglichte die Begleitung ihrer onkologischen Schwester und Freundin. Ohne Haare und Dauerkatheter verlebte sie in der Klassengemeinschaft eine wunderschöne Segelwoche voller Energie und Lebensfreude.

Im September 2002 wechselte sie zum Gymnasium und freute sich schon auf ihren Abiball. Die ersten 6 Wochen waren ein Kraftakt, nach Schulschluss um 15.30 ging es nach Trier zur Bestrahlung. Ihr medizinische Wissen erweiterte sie stetig und wusste somit genau was in ihrem Körper geschah.

Die Konfirmation von Bruder Johannes im Mai bedeutet ihr viel, es wurde ein wunderschönes und unser letztes gemeinsames Fest. Der Tumor bekam immer mehr die Überhand und streute –  eine Woche Holland mit der Familie im Oktober war ein weiteres Ziel obwohl medizinisch nicht zu erklären schaffte sie auch dieses. Eine  wunderschöne, anstrengende und auch traurige Woche verbrachten wir alle gemeinsam . Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich später „Projekt Anna“.Nach der Heimkehr verschlechterte sich ihr Zustand sehr schnell.

Am 23.11.2003 starb Anna dort wo sie am liebsten war – zu Hause- sie hatte sich auf ihre Art von uns allen verabschiedet.

Das Licht, das sie in sich trug wird jeden der sie kennen lernen durfte durch sein Leben begleiten . Sie hat den Menschen in unsere Region gezeigt das Diagnose Krebs weder  Rückzug, Isolation noch Hoffnungslosigkeit bedeutet. Sie ging auch weiterhin offen und lebensfroh auf die Menschen zu – mit oder ohne Haare.

Warum ich? fragt sie niemals. „Es ist mein Weg und den muß ich gehen“ war einer ihrer unvergessenen Sätze. „Ihre Seele wurde zu groß für diesen kleinen Körper“ und so verließ sie wie ein Schmetterling de Kokon -  ihre zerstörte Hülle.

Trotz aller Traurigkeit und Sehnsucht sind wir dankbar für die wunderschönen Jahre mit ihr. Mit ihr starb für mich nicht nur meine Tochter sondern auch die beste Freundin

Heidelinde Becker

 

Schmetterling gibt weiter die Richtung vor

(23.11.2008, Trierischer Volksfreund, Autor: Clemens Beckmann)

Am 23.November 2003 starb die 17-jährige Anna Becker an Krebs. Für viele Menschen bleibt sie durch die segensreiche Arbeit des Vereins "Von Betroffenen für Betroffene" gegenwärtig.

Burgen. Der November gilt als Trauer-Monat. Mehr Menschen als sonst im Jahr lenken ihren Schritte auf Friedhöfe, um ihrer Angehörigen zu gedenken. Viele Gräber ähneln sich. Doch es gibt auch Ruhestätten, die davon zeugen, dass dort ein Mensch beerdigt worden ist, der zu Lebzeiten für seine Umgebung eine ganz besondere Rolle gespielt haben muss.

Dazu zählt das Grab von Anna Becker, deren Todestag sich am Sonntag, 23. November, zum fünften Mal jährt. Von diesem Grab geht unweigerlich etwas Lebendiges aus.

Für viele Menschen lebt Anna Becker auch weiter. Die von ihr im Dezember 2000, als sie glaubte den Krebs besiegt zu haben, gegründete Stiftung "Von Betroffenen für Betroffene" tut weiter viel Gutes und nimmt Jahr für Jahr größere Dimensionen an.

17 Jahre alt war Anna Becker, als sie am 23. November an Krebs starb. Doch das war nicht das Ende der Stiftung, die in glücklicheren Zeiten gegründet worden war, um chronisch und krebskranken Kindern zu helfen (der TV berichtete). Es ging erst richtig los.

Vater Hermann und Mutter Heidelinde haben es sich zur Aufgabe gemacht, weiter zu helfen. Mit Unterstützung von fünf Vorstandsmitgliedern, 115 Fördermitgliedern, die jährlich mindestens 25 Euro zahlen und vielen Spendern, die dem Verein Beträge aus fröhlichen Veranstaltungen (Geburtstagen etc.) und traurigen Anlässen (Beerdigungen) zur Verfügung stellen, ist dies möglich. Allein 2007 hat der Verein 65 000 Euro in Projekte (Reittherapie, Freizeitaktivitäten, Bezahlung einer Fachkraft) investiert, die chronisch und krebskranken Kindern zugute kommen.

Das meiste Geld floss und fließt in das im September 2007 ins Leben gerufene Projekt "Unterstützung für Kinder und Jugendliche krebskranker Eltern". Es soll ausgeweitet werden. Derzeit wird eine Diplom-Psychologin halbtags beschäftigt. Wunsch ist eine Ausweitung um das Dreifache. Dabei könnte die Antonia-Ruut-Stiftung helfen, die ein Industrieller für seine an Krebs verstorbene Ehefrau einrichtete. Hermann Becker hat vielversprechende Kontakte zu den Geschäftsführern Peter Mischa und Peter Hoddenbagh.

Anna Becker ist vielen Menschen in Erinnerung geblieben. Bei Vater Hermann, Mutter Heidelinde und Bruder Johannes ist sie jeden Tag gegenwärtig. Am Sonntag wird die Erinnerung besonders groß sein. Dann werden sich viele Freunde in Burgen versammeln. "Wir werden lachen, Anekdoten erzählen, weinen und auf den Friedhof gehen", sagt die Mutter.

"Es ist mein Weg, und den muss ich gehen", hatte Anna vor ihrem Tod gesagt. "Es ist unser Weg, ihren Tod anzunehmen, ohne ihn verstehen zu können. Die Trauer zu leben, ohne daran zu zerbrechen. Ihren Verein gemeinsam mit dem Vorstand in Annas Sinne weiter zu führen", sagt Hermann Becker.

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